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SCHACH-SPHINX/06201: Buntes Völkchen an deutschen Brettern (SB)


Als 1986 der Hamburger Schachklub gegen das Team aus Berlin-Kreuzberg antrat, hätte einem Zuschauer durchaus Zweifel ankommen können, ob er sich vielleicht nicht doch an der Haustür geirrt hatte. Eigentlich hatte er vorgehabt, die deutsche Schachbundesliga zu besuchen. Doch statt dessen traf er auf John Nunn aus England. Wie ein originaler Hamburger sah er in der Tat nicht aus. Und ihm gegenüber saß tatsächlich ein weiterer Engländer mit David King. Vielleicht doch versehentlich auf einem internationalen Turnier gelandet? Doch für Aufklärung ist schnell gesorgt. Ausländische Schachmeister begannen seit Mitte der 80er Jahre vermehrt, in die deutsche Bundesliga einzusteigen. Da gab es Engländer, Schweden, Argentinier, Brasilianer, Tschechoslowaken, Dänen, Israeli, Jugoslawen, Spanier, Ungarn, Amerikaner und last not least Franzosen. Die ganze Schachwelt schien sich in der Bundesliga ein Stelldichein zu geben. Es hatte sich herumgesprochen, daß die deutschen Säckel eben voller waren als in den Heimatländern der Gastspieler. Und so darf es nicht verwundern, daß ein englischer Hamburger und ein englischer Berliner im heutigen Rätsel der Sphinx just aufeinandertrafen und für deutsche Klubs Punkte machten. Berlins Meister King hatte mit Schwarz gegen Nunn, Autor des Sachbuchs "Wie schlage ich Sizilianisch?", ebendiese Verteidigung gewählt. Er hätte es lieber lassen sollen. In der Diagrammstellung hatte er bereits die Qualität eingebüßt. Nunn erzwang nun Damentausch und machte der Qual ein Ende, Wanderer.



SCHACH-SPHINX/06201: Buntes Völkchen an deutschen Brettern (SB)

Nunn - King
Bundesliga 1986

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Nach 1...Sc6-d4 2.Lf2xd4 Lg7xd4+ 3.Td2xd4 Tb1xe1+ überschritt Pia Cramling in ohnehin hoffnungsloser Stellung die Bedenkzeit. Es hätte beispielsweise noch 4.Kg1-f2 Te1-a1 5.b5-b6! folgen können.


Erstveröffentlichung am 21. Mai 2004

15. Mai 2017


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